Die Algennutzung heute und in früheren Zeiten

Jährlich werden zwischen 3 und 3,6 Millionen Tonnen Algen geerntet, um gegessen, zu Nahrungsmittelzusätzen, Viehfutter oder Kosmetika weiterverarbeitet zu werden.
300.000 t davon werden alleine in Japan jedes Jahr verspeist. Sie werden in Sushi, Reis- oder Tofugerichten verwendet. Hierbei findet hauptsächlich Porphyra (P. yezoensis und P. tenera) Verwendung, die in der Küchensprache den Namen Nori trägt. Als Geschmacksverstärker u. a. in Suppen und Salaten wird Wakame (Undaria pinnatifida ) eingesetzt.
Wakame wächst als Neophyt auch in Argentinien, im Mittelmeer und in Neuseeland, wo es beträchtliche ökologische Schäden angerichtet hat. Inzwischen wurde die Alge zum Anbau aus dem Mittelmeer auch in die Normandie und die Bretagne verbracht - bislang noch ohne größere bekanntgewordenen Auswirkungen.

Der Verzehr von Algen ist weitestgehend auf den ostasiatischen  Raum beschränkt. In Europa und Amerika geerntete Algen werden zu Phyllokoiden weiterverarbeitet.
Hierzu zählen Agar und Carrageen. Beide Substanzen sind als Gelier- oder Verdickungsmittel, als Fett- oder Schaumstabilisatoren oder Bindemittel in einer großen Vielzahl von Nahrungsmitteln enthalten.
Die Nachfrage nach diesen beiden Rohstoffen und ihren Abkömmlingen ist in den letzten 25 Jahren jährlich um 25 % gestiegen und liegt jetzt bei über 300.000 Tonnen. Der weltweite Umsatz an Agar hat ein Volumen von 250 Millionen US $. Hauptproduzenten sind Japan, Spanien, Chile, China und Mexiko. Carrageenfabriken finden sich in Europa, auf den Philippinen und in Chile.

Auf den Philippinen wird die Gattung Eucheuma  - „Quso“ - im großen Maßstab angebaut und geerntet. Zwischen 70 und 80 % des weltweit hergestellten Carrageens stammen von den beiden Arten Eucheuma cottonii und E. spinosum . 1972 wurde mit dem kommerziellen Anbau von Algen auf den Philippinen begonnen, heute sind etwa 80.000 Menschen als Algenfarmer tätig.
Eucheuma wird deshalb verwendet, weil es bislang schwierig ist, andere Arten in solchem Maßstab zu kultivieren und andererseits, weil beide Algenarten nur jeweils eine bestimmte Form von Carrageen produzieren: E. spinosum  nur iota- und E. cottonii nur kappa-Carrageen. Im richtigen Verhältnis gemischt, kann man mit diesen beiden Carrageensorten jeden gewünschten Grad der Festigkeit des Endprodukts erreichen.
Die Carrageen-produzierende Industrie der Philippinen beschäftigte 1990 etwa 10.000 Menschen und erwirtschaftete 36,7 Mio. US $.
 

Erste Berichte über den Gebrauch von Algen finden sich in China schon um 2500 vor Christus. Die Japaner haben diese Kultur dann aus China übernommen. Etwa um 1670 begann man dort auch, die Algen in Aquakulturen zu züchten. Heute produziert Japan für etwa 1 Milliarde $ alleine Nori, die den höchsten Marktwert aller Algen hat.

Die Europäer nutzen Algen zunächst nur als Medizin - z.B. sehr beliebt die Anwendung als Wurmmittel schon bei den Griechen. In mageren Zeiten dienten Algen auch als Viehfutter. Aus dem 12. Jahrhundert sind Berichte aus Irland bekannt, die besagen, dass Palmaria palmata, bekannt unter dem Namen Dillisk gesammelt und verzehrt wurde. Später wurde es auch als Wurmmittel oder als sexuelles Stimulans verwendet.
Zu Beginn des letzten Jahrhunderts wurde in Irland und Nordengland, wenn auch in äusserst geringem Umfang, Irish Moss gegessen. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus den beiden Arten Chondrus chrispus und Mastocarpus stellatus .
Auch Porphyra, deren Küchenname hier sleabchán lautet, wurde sparsam verwendet.

„Gezüchtet“ wurden Algen in Europa erst seit Beginn dieses Jahrhunderts und auch nur, um Viehfutter zu bekommen. Die Menschen plazierten Steine in der Gezeitenzone, um dort vor allem Fucus -Arten (heißen dann Wrack), wachsen zu lassen.

Algen eignen sich eigentlich nicht, um sein Vieh damit zu ernähren - deswegen griffen die Menschen nur in Notzeiten darauf zurück. Demgegenüber sind die Algen als Dünger von größerem Wert. Schon im 16. Jahrhundert wurden während der Ebbe alle dann an Land liegenden Algen gesammelt und getrocknet. Dieses als „Blackweed“ oder „Feamainn dhubh“ bezeichnete Material wurde dann auf die Felder gestreut. Mit Sand vermischt, konnten sogar vormals unfruchtbare Stellen für den Anbau nutzbar gemacht werden.

Im 18. Jahrhundert erkannte man, dass das zur Glasherstellung und zur Porzellanglasur benötigte Soda aus Algenasche („Kelp“) gewonnen werden kann. Sehr schnell entwickelte sich an den Küsten von Spanien, Frankreich und den Britischen Inseln eine Art Kelp-produzierender Industrie. Ende des 18. Jahrhunderts produzierte Schottland 20.000 Tonnen Algenasche, wofür 400.000 Tonnen Algen benötigt wurden. Um die Algen zu veraschen, wurden große Mengen an trockenem Gras verbraucht. Die Kelp-Industrie überlebte bis ins 20. Jahrhundert, da Bernard Courtois um 1810 entdeckte, dass der Kelp große Mengen an Jod enthält, das so gewonnen werden konnte. Noch 1930 wurden in Irland 400 t Kelp produziert.
Im 1. Weltkrieg wurde die Asche von v. a. Fucus gardneri  (und andere Arten) zur Schießpulverherstellung verwendet.

Heutzutage werden in Irland etwa 35.000 t jährlich geerntet, wobei nahezu alles Ascophyllum nodosum  ist, das in Schottland zu Alginaten weiterverarbeitet wird.
Auch Algen zu Düngezwecken werden noch geerntet: Doch verwendet man jetzt Maërl (Phymytolithon calcareum  oder Lithothamnion coralloides ) aufgrund ihres hohen Anteils an Calciumcarbonat. Maërl ist ein sehr anwenderfreundliches Produkt, da die Algen nur getrocknet und gemahlen werden müssen und dann wie herkömmlicher Kunstdünger mit herkömmlichen Maschinen aufs Feld gebracht werden können. Allerdings wachsen die beiden Algenarten nur sehr langsam und die Bestände erholen sich nach den Ernteaktionen kaum mehr. Großbritannien produziert jährlich 500.000 t Maërl, der überwiegend nach Frankreich exportiert wird.
 

Phyllokoide sind in nahezu jedem aufbereiteten Nahrungsmittel enthalten - und dazu in zahlreichen non-food Produkten.
In Milchprodukten und Fertiggerichten sorgen sie für die nötige Konsistenz, sie dienen als Fettersatz, steigern die Produktausbeute u.a. bei Wurstwaren, sie sorgen für die gleichmäßige Verteilung der Inhaltsstoffe in Getränken, sie sind die Basis von Tiernahrung, wo sie Wasser binden, Struktur geben und verhindern, dass das Fett ausfällt.
Daneben findet man sie in Zahnpasta (hier wieder strukturgebend) und in vielen Kosmetikprodukten.
 
 
 
 
 

Die Algen, die wir an unseren Standorten in der Bretagne finden, sind in dieser Artenliste (mit Fotos) zusammengestellt.

Algenbilder der etwas anderen Art
 
 
 
 

 Links:

Alginate
 
 

Produktion im Jahr 1995
 
 

Und hier noch die Anleitung, wie man Klatschpräparate herstellt - hier heisst es allerdings:
Create your own unique note cards or other art work with authenticHawaiian Seaweed!!!
 
 
 
 
 

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